Wenn einer eine Reise tut…

… dann kann er was erleben.

Am 4. Februar wurde kurzfristig ein Ausflug nach Hamburg in die aktuelle Fotoausstellung in den Deichtorhallen angesetzt. Diese sollte nur noch bis zum 12.2. dauern, viel Zeit war also nicht mehr. Es trafen sich Kerstin Walther, Susanne Gade, Uwe Wolkenhauer, Gerhard Richter und ich, Michael Pries, am Samstag morgen am Bahnhof Flensburg zur Tour nach Hamburg. Wir freuten uns auf einen schönen und ereignisreichen Tag. Das wir erst am Sonntag Nacht wieder zu Hause sein würden, konnten wir nicht ahnen.

Um kurz nach neun ging der Regionalzug nach Hamburg. Wir fanden gute Plätze und nutzen die gut zwei Stunden dauernde Fahrt für eine Tagesplanung. Der Besuch der Ausstellung, eventuell mit Führung. Die begann aber erst um 15:00 Uhr. Ein Spaziergang durch die Hafencity. Vielleicht in den Abend rein. Oder die Aussichtsterrasse der Elbphilharmonie. Wir entschieden uns dafür, zuerst die Elbphilharmonie zu besuchen, um das Tageslicht zu nutzen und anschließend die Führung um 15:00 Uhr in der Fotoausstellung mit zu machen.

Vom Hauptbahnhof aus fuhren wir mit der U-Bahn Richtung Landungsbrücken. Uwe kannte sich aus in Hamburgs Untergrund und so bekamen wir die eine oder andere U-Bahn-Station und ein paar Auf- und Abwege zu S- und U-Bahnen zu sehen. An den Landungsbrücken angekommen begrüßte und ein grauer, nieseliger Tag. Das hielt einen Gaukler nicht davon ab, riesengroße Seifenblasen zu machen. Diese flogen teils bis hinunter auf die Strasse. Das Schauspiel lockte eine Menge Zuschauer und auch ein paar Fotografen an.

Von dort aus ging es Richtung Elbbrücken. Auf dem Weg dorthin mussten wir die Uferpromenade verlassen. Schuld war eine der ewigen Baustellen. Es waren trotz des Wetters viele Menschen unterwegs. Die meisten wohl Touristen wie wir. Ebenfalls die meisten liefen Richtung Elbphilharmonie und dort angekommen, bestätigten sich unsere Befürchtung. Der Eingang war voll. Und – soweit man sehen konnte, die Plaza (Ziel unsere Wallfahrt) auch. Die Zugangsschleusen ließen nur dann neue Besucher hinein, wenn andere das Gebäude verließen. Dafür reichte unsere Zeit nicht.

Von der Elbphilharmonie liefen wir durch die Hafencity und nutzen den Weg für zum fotografieren Hamburger Stadtansichten.

An den Deichtorhallen angekommen ergatterten wir im Restaurant den letzten Tisch und stärkten uns für die anstehende Foto-Kunst-Bildung mit Kaffee und Kuchen.

Um 15:00 Uhr begann pünktlich die Führung durch die Ausstellung. Die Gruppe war mit ca. 20 Teilnehmern sehr groß was wohl daran lag, das die Ausstellung nicht mehr lange ging und man sich die Werke noch erklären lassen wollte. Ging uns ja auch so. Zu sehen gab es

The Concept of Lines: Richard Avedon, George Hoynungen-Huene und Irvin Penn.

Gestaltete Welt: Peter Keetman

Während der Führung wurden einzelne Werke näher erklärt und es gab reichlich Informationen zu den Fotografen, ihres Lebens, den Schaffensphasen und auch den Beziehungen und Wechselwirkungen untereinander und innerhalb des Kunstbetriebes. Das war nicht nur informativ sondern auch spannend zu hören, wie sich die Herangehensweise zweier Fotografen unterscheidet und welche Intention sie bei ihren Bildern hatten. Besonders deutlich wurde dies bei in der Ausstellung nebeneinander hängenden Werken.

Nach der Führung gingen wir noch selbst teilweise zusammen, teilweise einzeln durch die Ausstellung und betrachteten die vielen Bilder. Sowohl Inhalt als auch Format waren oft sehr beeindruckend. Es war schön zu sehen, wie wenig scharf ein gutes Bild sein muss oder wie gekonnt der Goldene Schnitt angewendet werden kann – oder auch gekonnt ignoriert wird. Nach insgesamt gut zwei Stunden waren unsere Köpfe voll von Eindrucken und Inspirationen.

Zum Abschluss haben wir noch eine Weile im angrenzenden Buchladen gestöbert. Aber die interessantesten Fotobildbände waren dann doch zu schwer und das Geld klebte irgendwie in den Geldbörsen fest. Ausserdem hatten wir langsam Hunger. Der nächste Zug sollte um ca. 18:45 fahren. Bis dahin war noch genug Zeit, um in aller Ruhe zum Bahnhof zu laufen und uns dort aus dem reichhaltigen Angebot etwas Schmackhaftes auszuwählen. Bratwurst war der Tipp des Tages.

Klar gab es im Bahnhof eine Bratwurst und damit die nicht so alleine ist, gesellten sich noch Frikadellen, Pommes oder Kartoffelsalat dazu. Nun lebt der Mensch nicht nur vom Brot allein – es darf auch gern ein Bierchen sein. Diesen schönen Abschluss des Tages wollte Susanne dann mittels professioneller Handyfotografie festhalten. Die Idee war gut und damit auch sie auf dem Bild mit drauf ist, erbot sich ein vorbeikommender Chinese, uns alle gemeinsam zu fotografieren. Ein weiterer Passant hat dann uns UND den Chinesen mit dem Handy des Chinesen fotografiert. Dieser hat sich fröhlich bedankt und erklärt, die Bilder wolle er jetzt in seine Heimat schicken. Somit trat die Fotogruppe Harrislee als Botschafter Deutscher Speise- und Willkommenskultur auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurz darauf saßen wir glücklich und zufrieden im Zug nach Hause – und mussten in Tornesch wieder aussteigen. Die Strecke war komplett in beide Richtungen gesperrt. Scheinbar eine Person auf den Gleisen und Krankenwageneinsatz. Der Zug endete dort, wir mussten alle aussteigen und standen mit vielen anderen ratlosen Reisenden auf dem Bahnsteig. Der Zugführer wusste auch nicht mehr, als dass ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden solle. Da die Strecke gesprerrt war, fuhr der Zug nach Hamburg zurück. Es bestand die Möglichkeit, wieder nach Hamburg zurückzufahren aber das war ja die falsche Richtung.

Immerhin, es schneite nicht. Ausser den automatischen Ansagen, man möge von der Bahnsteigkante zurücktreten, es käme ein Zug, hörte man nichts von der Bahn. Tornesch ist ein vollautomatisierter Bahnhof. Keine Wartehalle, kein Ansprechpartner – nur ein kaputter Aufzug zum Übergang Richtung Bahnhofsplatz. Das Treppenhaus wurde dann zum warmlaufen benutzt.

Von der Bahn kamen keine weiteren Meldungen aber die Menschen haben natürlich versucht, per Handy und Service-Nummer der Bahn Informationen zu bekommen. Diese machten dann die Runde. Wir fünf Erwachsenen waren im Vergleich zu anderen ja nicht mal so schlecht dran. Junge Mädchen, die ohne Geld für ein Taxi unterwegs waren. Familien mit kleinen Kindern. Dänen die zwar in unsere Richtung aber dann ja noch viel weiter über die deutsche Grenze hinaus wollten. Die örtlichen Taxiunternehmen kamen dann auch angefahren um den Weitertransport nach Elmshorn oder anderen Wunschzielen anzubieten. Natürlich gegen Bares. Immerhin 40€ nur bis Elmhorm. Die Rate Richtung Neumünster betrug ca. 160€. Die Bahn war ja noch immer mit der Bereitstellung des Ersatzverkehrs beschäftigt.

Von dem hieß es zunächst, er sei bestellt, aber nicht bestätigt. Dann war er bestätigt und unterwegs. Dann wieder gar nicht geordert. Dann doch und sogar bestätigt. Wann der Bus da sein sollte, wusste aber niemand. Viel Gemunkel und Internetwissen, Handy-News und alternative Fakten. Plötzlich kam die Meldung über Lautsprecher, der Bus sei unterwegs und in 10 Minuten da. Der ließ aber auf sich warten und die Frage, ob der Bus jetzt an der Nord-oder der Südseite des Bahnhofs halten würde, machte die Runde. Da alle an der Nordseite standen, hoffte man darauf. Ein Taxifahrer meinte zu wissen, der Bus könne dort gar nicht halten da er nicht wenden könne. Plötzlich Aufregung: Der Bus hätte an der Südseite gehalten und sei wieder gefahren, da keine Passagiere da waren? Einer Gruppe junger Frauen in lustigen Strampelanzügen wurde inzwischen doch ziemlich kalt. Die Reihen der Wartenden hatten sich auch merklich gelichtet  – viele hatten das Angebot der Motordroschken angenommen und haben sich Richtung Norden fahren lassen. Und wir warteten auf das Brummen eines Bus-Diesels das nicht kam.

Aber plötzlich fuhr ohne Ansage ein Zug ein und alle stürmten die Waggons. Für uns endete die Fahrt aber an der nächsten Station in Elmshorn wieder. Dort waren die Bahnsteige voll mit Menschen, die auf einen baldigen Anschluss in die gewünschte Richtung hofften. Die Anzeigen an den Gleisen wechselten so oft wie wir den Bahnsteig. Ein paar junge Männer, die scheinbar einen Junggesellenabschied feierten, stiegen abwechselnd aus ihrem Zug ein und aus, je nachdem wem sie glaubten, ob der Zug nach Hamburg oder Altona fährt. Unser Zug nach Norden kam dann nach einer halben Stunde. Ob er jetzt gemäß der Gleisanzeige nach Husum fährt oder ob die Kiel-Anzeige im Zug stimmt, führte noch zu einer kurzen Irritation, hinderte uns aber nicht am Einsteigen.

Der Rest der Fahrt verlief dann ruhig. Wir mussten noch einmal in Neumünster umsteigen und erreichten dann mit gut vier Stunden Verspätung Flensburg. Anstatt am Samstag Abend um 21:30 waren wir am Sonntag früh um 01:30 Uhr schließlich zu Hause. Wir haben für unser Geld mehr bekommen als wir uns erhofft hatten.

Alles in allem war es ein aufregender und ereignisreicher Tag. Wir haben uns alle gut verstanden und wollen gerne wieder einen gemeinsamen Ausflug machen. Hamburg im Allgemeinen und die Deichtorhallen im Besonderen sind schon eine Reise wert. Die Bahn sollte aber dringend an ihrem Kommuniktionsverhalten arbeiten.

Zum Schluss hier noch eine Auswahl der Bilder, die Gerhard, Kerstin, Uwe, Susanne und ich in Hamburg geschossen haben.

Bis bald

Michael

 


Bilder von Gerhard Richter

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Bilder von Kerstin Walther

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Bilder von Uwe Wolkenhauer

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Bilder von Susanne Gade

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Bilder von Michael Pries

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